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Mein erster Triathlon, mit ungefähr 100 Anfängerfehlern

 

„5 Minuten bis zum Start“, höre ich es dumpf über das Wasser schallen. Ich stehe an einem mitteltrüben, mitteleinladenen Kanal mitten in Schleswig-Holstein und liefere mir ein Blickduell mit dem Wasser. Die Sonne scheint, der Kanal hat 18° und trotzdem zittern meine Knie wie nach einem Tempodauerlauf. Nur habe ich mich noch gar nicht bewegt. Ich habe nur verdammt viel Respekt vor 300 gefährlich unter ihren Schwimmbrillen hervorlugenden Triathleten. Immer wieder rede ich mir ein, dass es Spaß machen wird. Dass ich das freiwillig mache. Dass die anderen bestimmt auch nicht so professionell sind wie sie aussehen. Hilft nicht. „3 Minuten!“, höre ich den Sprecher sagen. Ich schaue auf und stehe plötzlich sehr einsam am Rand.

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Viele andere schwimmen schon im Wasser vor einem Band vor und zurück. Offenbar die Startlinie. Vor lauter Aufregung den Start zu verpassen springe ich doch in das sehr kalte Wasser. Mir fällt es aus irgendeinem Grund immer seeehr schwer das zu tun. Es fühlt sich immer so… nass an.  2 Minuten. Ich sehe nur Neoprenanzüge. Wo soll ich nochmal hinschwimmen? 1 Minute. Meine Schwimmbrille beschlägt und ich versuche zunehmend verzweifelt den Wendepunkt auszumachen. Nichts zu erkennen. Vielleicht hätte ich doch mal eine neue Schwimmbrille gebraucht. Oder einen eigenen Neoprenanzug, einen der wirklich Auftrieb verleiht… „10. 9. 8. 7. 6. 5. 4. 3. 2. 1“, zählt der Sprecher runter und das Wasser um mich scheint im Takt zu spritzen. 0. Ich schwimme los, bekomme prompt einen Ellenbogen auf den Kopf und die Schwimmbrille verrutscht. Autsch. Triathlon scheint tatsächlich vollen Körpereinsatz zu fordern. Nach 100m habe ich den Wasserspiegel etwas in meine Lungen verlagert. Es schmeckt interessant salzig und ich sehne mich nach der Laufbahn. Da ist es wenigstens meistens trocken.

10 Minuten später komme ich als sechste Frau aus dem Wasser. Bis ich meinen Neo aus, Hose und Top an, Helm auf und Schuhe an den Füßen habe, bin ich allerdings schon wieder weiter hinten. Vielleicht sollte ich mir doch mal so einen seltsamen Einteiler zulegen, den man direkt unter dem Neo tragen kann…

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Auf dem Rad fühle ich mich wieder besser. Endlich genug Luft. Nur das mit dem Nicht-Windschattenfahren verunsichert mich zutiefst. Wie ernst wird das genommen und wie schnell muss ich überholen? Um alles richtig zu machen überhole ich mit 45km/h fahre dann wieder lockerer und bin schon nach 10km einfach nur krass fertig. Schönere Worte gibt es da nicht. Trotzdem genieße ich das Rauschen des Fahrtwindes in den Ohren und die Geschwindigkeit. Beim Radfahren habe ich das oft. Dieses tiefe Gefühl von Zufriedenheit, dass sich ganz warm durch den ganzen Körper ausbreitet. Nach 15km versuche ich zu trinken, was mit absoluter Luftnot und noch mehr Wasser in der Lunge endet. Ich falle hustend zurück und kann erst nach einem Kilometer wieder richtig Fahrt aufnehmen. Ich liege jetzt an vierter Position, wie mein Bruder mir armefuchtelnd, breit grinsend versucht mitzuteilen. Wieder in der Wechselzone sehe ich vor lauter Laktat weder meine Schuhe noch meinen Radplatz. Nach einer gefühlten Ewigkeit, in der ich ernsthaft überlege barfuß zu laufen, tauchen sie dann doch auf und ich laufe auf wackligen Beinen los.

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Meine Füße scheinen auf dem Boden zu kleben, meine Knie werden wie an Bändern herabgezogen. Nach einiger Zeit ruft mir mein Bruder irgendwas von 3.50er Tempo zu und ich kann kaum glauben, dass ich so schnell laufe, obwohl es sich so mies anfühlt. Erst nach 3km scheint der Boden weniger Anziehungskraft zu haben und ich nehme aktiv die Verfolgungsjagd auf. 600m vor dem Ziel taucht ein blonde Haarmähne vor mir auf. Ich halte darauf zu, ziehe vorbei und bin plötzlich auf dem zweiten Platz. Wie durch einen Nebel höre ich den Sprecher meinen Namen rufen. Viel denke ich nicht mehr. Eigentlich nur daran, dass ich gleich sitzen kann. Und etwas trinken. Zurück auf die Grundbedürfnisse sozusagen… Das Ziel scheint sich auszudehnen. Irgendwo jubeln meine Familie und Freunde, irgendwer drückt mir eine Medaille in die Hand. Dann darf ich sitzen. Atmen. Trinken. Und mich unglaublich doll freuen.

Ich bin Zweite. Ohne richtige Ausrüstung. Ohne je den Wechsel geübt zu haben.

Erst im Nachhinein habe ich wirklich begriffen, wie viele Anfängerfehler ich fabriziert habe. Aber das kann das Zukunfts-Laufbiest ja besser machen. Denn mein Ehrgeiz ist geweckt und auch wenn es verdammt hart war werde ich wiederkommen, denn schon jetzt waren meine Zeiten ziemlich gut und ich glaube das noch einiges besser laufen kann!

Triathlon ist so ganz anders als Laufen. Es ist komplizierter, in einigen Aspekten noch härter, aber es macht auch viel Spaß!   (Vor allem im Nachhinein (Also eigentlich genau wie Laufen))

Checklist für das nächste Mal:

-Trinken beim Radfahren üben

-Schwimmen zwischen anderen lernen

-Wechsel proben

-Neoprenanzug, Schwimmbrille und Einteiler zulegen

-Angst vor kaltem Wasser abtrainieren

-Triathlon Regeln VOR dem Rennen ansehen

-Merken wo Rad und Schuhe stehen

-Niedrigeren Gang fahren, damit die Beine beim Laufen weniger am Boden kleben

 

Bis bald, euer stolzes Laufbiest im Triathlonfieber

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