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14 Tage am Meer und auf dem Rad . Ostseeküsten Radwanderweg komplett. Dänemark bis Polen.

Morgens, wenn ich aufwache höre ich die Möwen. Manchmal auch das Meer, je nachdem wie dicht mein Zelt gerade am Wasser steht.

Bei Regen und Wind bin ich in Flensburg, an der Grenze zu Dänemark losgeradelt ohne genau zu wissen wie weit und wohin ich es schaffe. Über alle großen und kleinen, schönen und düsteren Orte an der Ostseeküste bin ich gefahren. Ich habe unglaublich nette Menschen getroffen, unzählige Radfahrer gegrüßt und sogar versucht mit einem norddeutschen Fischer zu dikutieren.“ Moin“, „Jau“ „dat wird schon“  hat er gesacht während ich unter seinem Fischstand hervor Regentropfen gezählt habe.. Wahrscheinlich sein Jahresvorrat an Worten.

Zelt für Radtour
Jeden Abend ab 17 Uhr habe ich angefangen nach Campingplätzen Ausschau zu halten. Zwischen 18  und 20.30 Uhr habe ich immer einen gefunden. Sehr viele waren wunderschön und direkt am Meer, einige waren ähh interessant. Der schönste war in Hohenfelde. Ein 5 Sterne Campingplatz, wer hätte gedacht das es sowas gibt! Generell waren die Campingplätze in Schleswig-Holstein schöner als die in Mecklenburg-Vorpommern und das sage ich nicht nur aus Heimatliebe!

Dafür hat Mecklenburg-Vorpommern noch mehr schöne unberührte Flächen und wunderschöne einsame Strände! Wer einen perfekten Strand sehen möchte sollte nach Rügen fahren und dort in Prora am Abend ans Meer. Ich saß dort, den dunklen Wald hinter mir und habe den Mond über der dunkle Steilküste aufgehen sehen. Vor mir haben am Horizont zwei Schiffe geleuchtet und über mir hunderte von Sternen. Als eine Sternschnuppe kam wusste ich nicht was ich mir noch wünschen sollte.

Nun liegen 14 Tage hinter mir und ich stehe in Polen in der Sonne. Sie scheint so schön, als wäre all der Wind, all der Regen nie gewesen. Vielleicht scheint sie als Belohnung für mein Durchhalten. Vielleicht weil sie Werbung für Stettin machen will, oder einfach weil verdammt nochmal Hochsommer ist und sie ihren Job die letzten zwei Wochen ziemlich mies gemacht hat. Oder sagen wir, sie war stets bemüht.

Ostsee Radwandern

Unmerklich haben sich die Tage aneinandergereiht und mich verändert. Jeder einzelne Tag war wunderschön, jeder Sonnenuntergang einzigartig, jeder Strand auf seine Weise perfekt. Ich habe ziemlich viel Selbstvertrauen getankt, denn nie hätte ich gedacht es so weit zu schaffen.

Ich könnte noch Stunden erzählen, von Regen auf völlig offener Fläche, Wind auf Fehmarn, davonfliegenden Zeltwänden,  Streckenbeschilderungen die im Kreis führen und Momenten die so schön waren das keine Worte sie beschreiben können.

Um das ganze lesbarer zu machen habe ich euch aber stattdessen eine kleine Liste erstellt:

 

  • Kilometer: 1233km
  • Kilometer in die falsche Richtung: 89km (ehrlich, das lag an den Schildern, nur mit Karte wäre mir das natürlich nieeeee passiert)
  • Tage im Regen: 8 (wobei so ein Regentag besteht hier eher aus unzähligen kleinen Schauern)
  • Tage in der Sonne: 6
  • wirkliche Sonne: 2 Tage
  • Kollisionen: 3 mit Hummeln, 1 mit einer Brombeerhecke
  • Fliegen im Auge gefangen: 24 (ich bin effektiver als eine Spinne! )
  • Regenjacke an und ausziehen:  52 Mal
  • Schrecklichster Campingplatz: Graal-Müritz
  • Schönster Campingplatz: Hohenfelde
  • Schönster Strand: Rügen, Hohenfelde, Noer, überall da wo der Strand noch unberührt ist
  • Dinge die auf der Tour verloren gingen: schlechte Laune, 1Hering, 0,5kg
  • Platten: 0 (ein Hoch auf den Erfinder der unplattbaren Reifen!)
  • Meist gegessene Lebensmittel: Pflaumen, Beeren und Äpfel die in den Gärten….ähh am Wegesrand wuchsen.
  • Dinge die man beim Zelten und Radfahren nicht vergessen sollte: Zelt, Rad, Karte. Der Rest ist unnötiger Ballast.
  • Schönster Moment: Strand in Prora am Abend
  • Schönste Streckenabschnitte: Travemünde-Boltenhaagen, Fischland-Darss-Zingst, Uckeritz Naturschutzgebiet

Ein Erlebnis das ich nie vergessen werde, Ostseeküstenradwanderweg komplett. Kein Teilabschnitt, nein komplett. Ich werde mich jetzt erstmal wieder an ein richtiges Haus gewöhnen müssen und daran, wieder mehr zu reden und an die Stille ohne den Wind, daran nicht von Möwen geweckt zu werden und daran, nicht jeden Abend am Meer zu sitzen. Ich werde die Freiheit vermissen.

Bis bald, euer durchtrainiertes, etwas wehmütiges Laufbiest

DSC_1698

p.S. Wer eine ähnliche Tour machen möchte und gutes Material sucht:

Mein Zelt: Ein sehr leichtes, kleines, Wasser und Wind festes Zelt für eine Person

 

Mein Schlafsack: Mein Daunenschlafsack war bei den typischen norddeutschen 10 °C optimal. Er lässt sich auf die größe von zwei Cola Dosen zusammenziehen!!

 

Meine GPS Uhr mit Tracks um die Strecke zu finden (leider nicht immer verwendet sonst wären es nicht 89km extra geworden..) :

 

Wer Fragen zu der Ausrüstung, der Strecke, den Gesprächsmöglichkeiten mit Fischern oder Möwen oder dem Ostseeradwanderweg hat darf gerne Fragen!

 

Tipps beim Radwandern

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